Magen und Darm

13C-Harnstoff-Atemtest zum Nachweis von Helicobacter pylori

Prinzip des Tests

Der Patient schluckt eine definierte Menge (z. B. 75 mg 13C-Harnstoff mit 200 ml Orangensaft) 13C-markierten Harnstoff mit Wasser oder Orangen-/Apfelsaft. Das Kohlenstoffisotop 13C ist ein nicht radioaktives Isotop, dessen Anteil am Gesamtkohlenstoff mit Massen- oder Infrarotisotopenspektrometrie ermittelt werden kann. Die geschluckte Tablette zerfällt im Magen und setzt den 13C-markierten Harnstoff frei. Ist der Magen mit Helicobacter pylori befallen, so spaltet dessen Enzym Urease Harnstoff in Ammoniak und das jetzt markierte 13CO2. Dieses diffundiert in das Blut und wird in die Lunge transportiert, wo es abgeatmet wird und in der ausgeatmeten Luft des Patienten gemessen werden kann. Hierbei wird der Anstieg D des Verhältnisses 13CO2/12CO2 in der Luft nach Gabe des Harnstoff gegenüber dem Ausgangswert vor Gabe der Tabelle als Δ 13CO2/12CO2 in Promille gemessen

Indikation

  • Zustand nach Eradikationstherapie, die seit mindestens 4 Wochen abgeschlossen ist
  • Ausschluss einer Reinfektion bei gastroskopisch gesichertem Ulcus duodeni
  • bei Kindern zur Vermeidung eine Gastroskopie bei Ulcus-Verdacht durch Helicobacter pylori

Kontraindikationen

Keine.

Durchführung

Der Atemtest sollte nüchtern durchgeführt werden, d. h. die Patienten sollen mindestens 6 Stunden gefastet haben. Die etwaige Einnahme von Pharmaka sollte wie folgt ausgesetzt werden:

  • Antibiotika: 1 Monat
  • Wismuth-Präparate: 1 Monat
  • Protonenpumpen-Inhibitoren: 2 Wochen

Zeit

Gabe von

Blutentnahme

 

 

Analyt

Material

0 min

Patient atmet ein und bläst die Ausatemluft vollständig („bis es nicht mehr geht") in den Beutel. Danach Wiederholung für einen zweiten Basalwert

13CO2

Atemluft

 

75 mg 13C-Harnstoff in 200 ml Apfel- oder Orangensaft vollständig auflösen und Patienten trinken lassen.

 

 

30 min

Patient atmet ein und bläst die Ausatemluft vollständig in den vorbereiteten Beutel („bis es nicht mehr geht“). Danach Wiederholung für einen zweiten Stimulationswert

13CO2

Atemluft

Bewertung

Ein Anstieg Δ 13CO2/12CO2 in der abgeatmeten Luft < 5 ‰ gilt als physiologisch, Anstiege darüber als pathologisch. Werte von 1,5 ‰  – 4,0 sind grenzwertig.

Fehlerquellen

Der Patient muss nüchtern zum Test erscheinen. Die oben aufgeführten Pharmaka müssen früh genug abgesetzt werden. Die gleichzeite Einnahme von Karamellprodukten kann zu falsch positiven Ergebnissen führen.

Lactosetoleranz-Test

Prinzip des Tests

Die Lactase des distalen duodenalen Bürstensaums spaltet Lactose enzymatisch in die Monosaccharide Galactose und Glucose, die letztlich in das Blut resorbiert werden. Ist ausreichende Lactaseaktivität vorhanden, so kann man im Serum/Plasma nach oraler Verabreichung von Lactose einen Glucoseanstieg nachweisen. Liegt eine Lactasemangel vor, ist dieser vermindert oder gar nicht nachweisbar. Der Patient zeigt dann entsprechende Symptome wie Durchfall, Flatulenz und Bauchschmerzen.

Indikation

  • Verdacht auf primären (angeboren, Mutation auf dem langen Arm des Chromosoms 2) oder sekundären Lactasemangel (z. B. nach Sprue, Morbus Whipple, Darminfektionen oder Morbus Crohn)
  • Typische Symptomatik nach Genuss von Milch und Milchprodukten: Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall

Kontraindikationen

Keine.

Durchführung

Serum sollte als Material für die Glucosebestimmung nur im Labor in Frage kommen, da dort eine schnelle Weiterverarbeitung möglich ist und der Glucoseabbau in der Probe nicht markant zum Tragen kommt.

Zeit

Gabe von

Blutentnahme

 

 

Analyt

Material

0 min

 

Glucose

NaF-Plasma
Serum

 

50 g Lactose in 400 mL Wasser oder Tee bei Erwachsenen, bei Kindern ab dem 2. Lebensjahr 2 g Lactose pro kg Körpergewicht (also z. B. 40 g Lactose bei 20 kg Körpergewicht)

 

 

30 min

 

Glucose

NaF-Plasma
Serum

60 min

 

Glucose

NaF-Plasma
Serum

90 min

 

Glucose

NaF-Plasma
Serum

120 min

 

Glucose

NaF-Plasma
Serum

Bewertung

Ein Anstieg der Glucosekonzentration im stabilisierten NaF-Blut oder Serum > 20 mg/dL bzw. 1,11 mmol/L gilt als physiologisch, Anstiege darunter als pathologisch. Für Kapillarblut sind Glucoseanstiege > 25 mg/dL und 1,39 mmol/L physiologisch. Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall können innerhalb von 8 Stunden nach Testbeginn bei Lactasemangel auftreten.

Bei positivem (pathologischen) Ausfall kann der molekularbiologische Nachweis der Mutation für den primären Lactasemangel angeschlossen werden.

Fehlerquellen

Der Patient muss nüchtern zum Test erscheinen. Es ist auf die exakte Lactosedosierung zu achten. Bei der Verwendung von Serum muss dieses so schnell wie möglich analysiert werden, da sonst falsch positive Testergebnisse auftreten können.

Literatur

Thomas, L.: Labor und Diagnose. TH-Books Verlagsgesellschaft. 5. Auflage 2005: 630 – 632

Sekretin-Test

Prinzip des Tests

Sekretin stimuliert die Gastrinsekretion der antralen G-Zellen. Beim Gastrinom findet man eine pathologisch erhöhte Stimulierbarkeit der Gastrinsekretion.

Indikation

  • Differenzierung einer tumorbedingten Hypergastrinämie von anderen Ursachen wie atrophische Gastritis, perniziöse Anämie, Helicobacter pylori-Infektion, Protonenpumpenhemmer-Medikation, Magenkarzinom, Niereninsuffizienz, Kurzdarmsyndrom

Kontraindikationen

Akute Pankreatitis und der Schub einer chronischen Pankreatitis. Der Test darf bis 2 Wochen nach Abklingen der akuten Symptome nicht angewendet werden.

Nebenwirkungen

Hitzewallungen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Schwindel, allergische Reaktionen, verminderte Sekretinwirkung bei Gabe von Estrogenen, Gestagenen, Opiaten und Anticholinergika

Durchführung

Ein Tag (24 h) vor Testbeginn müssen Antazida, Anticholinergika und H2-Rezeptorantagonisten abgesetzt werden. Protonenpumpenblocker wie Omeprazol müssen mindestens 7 Tage vorher abgesetzt werden. Dem Test geht eine 12-stündige Nahrungskarenz voraus. Während des Tests bleibt der Patient nüchtern.

Zeit

Gabe von

Blutentnahme

 

 

Analyt

Material

-15 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

0 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

 

2 IU Sekretin pro kg Körpergewicht als Bolus innerhalb von 30 s intravenös

 

 

2 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

5 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

10 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

15 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

30 min

 

Gastrin

Serum, gefroren

Bewertung

Bei Vorliegen eines Gastrinoms kommt es nach 2 - 10 min zu einem Anstieg der Gastrin-Konzentration im Serum von > 200 ng/l (> 100 pmol/l). Bei etwas 10 % der Patienten bleibt der Test (falsch) negativ. Antrale G-Zell-Überfunktion, Antrumschleimhautreste nach Billroth-II-Operation und Zustand nach Vagotomie zeigen einen unauffälligen Sekretin-Test.

Fehlerquellen

  • Verwendung von nicht geforenem Plasma
  • Verwendung von nicht ausreichend gereinigtem Sekretin
  • Aktivitätsverlust des Gastrins durch häufiges Auftauen und Einfrieren
  • Hämolyse
  • Testdurchführung am nicht nüchternen Patienten

Literatur

Lehnert, H.: Rationelle Diagnostik und Therapie in der Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Thieme,  3. Auflage 2010: 519
Partsch, C.-J. et al.: Endokrinologische Funktionsdiagnostik. Schmidt und Klaunig, 7. Auflage 2011: 75 - 76

D-Xylose-Test

Prinzip des Tests

D-Xylose ist eine Pentose, die in pflanzlicher Nahrung vorkommt. Sie wird zu 60 - 80 % unverändert in Duodenum und Jejunum resorbiert, wobei die höchsten Serumkonzentrationen 1 - 2 h nach oraler Gabe der Pentose erreicht werden. Etwa 60 % der resorbierten D-Xylose werden verstoffwechselt, 40 % hingegen, insbesondere in den ersten 5 h nach Gabe, werden unverändert renal eliminert. Die im 5 h-Urin nachweisbare D-Xylosekonzentration ist abhängig von der Resorptionskapazität des proximalen Dünndarms für Monosaccharide. Der Test prüft somit die funktionelle Integrität von Duodenum und Jejunum. Erkrankungen, die mit einer Einschränkung der resorptiven intestinalen Oberfläche des proximalen Dünndarms einhergehen, weisen eine pathologisch niedrige D-Xylose-Ausscheidung im Urin sowie eine erniedrigte D-Xylose-Konzentration im Serum auf.

Indikation

  • Verdacht auf  Malabsorption, Resorptionsstörung für Monosaccharide in Duodenum und Jejunum

Kontraindikationen

Keine.

Durchführung

Der Test wird am nüchternen Patienten nach 12 h-Nahrungs- und Alkoholkarenz und nach vollständiger Blasenentleerung durchgeführt. Bei Kindern wird die Serumbestimmung bevorzugt, wobei hier der 1 h-Wert für den Test herangezogen wird. 

Zeit

Gabe von

Blutentnahme

 

 

Analyt

Material

0 min

 

-

-

 

25 g D-Xylose in 300 mL Wasser oder Tee bei Erwachsenen. Es werden 300 mL Wasser/Tee zur Sicherstellung einer ausreichenden Diurese nachgetrunken.

Bei Kindern mit 4 - 30 kg Körpergewicht 5 g D-Xylose in 100 - 200 mL Wasser. Bei Kleinkindern unter 6 Monaten 15 D-Xylose/m² Körperoberfläche als 10 %ige Lösung

 

 

15 min

 

Xylose

Serum

60 min

 

Xylose

Serum

120 min

 

Xylose

Serum

5 h

 

Xylose

Sammelurin

Bewertung

Referenzbereiche:

Urin: > 4 g/5 h bzw. > 26,6 mmol/5 h
Serum, 15 min: > 100 mg/L bzw. 0,67 mmol/L
Serum, 1 h: > 300 mg/L bzw. 2,0 mmol/L
Serum, 2 h: > 300 mg/L bzw. 2,0 mmol/L

Kinder, 1 h-Wert: > 200 mg/L bzw. 1,33 mmol/L
Kleinkinder unter 6 Monate, 1 h-Wert: > 150 mg/L bzw. 1,0 mmol/L

 

 Medizinische Bewertung
pathologischer Ausfall normales Ergebnis
 Sprue Chronische Pankreatitis
 Morbus Whipple Ileitis terminalis (M. Crohn)
 Resektion Colitis ulcerosa
 Amyloidose Lactoseintoleranz
 Verzögerte Magenentleerung  
 Bakterielle Überbesiedlung  
 Carcinoid  
 Zollinger-Ellison-Syndrom  
 Ascites, massive Ödem, Myxödem  
 Niereninsuffizienz  

Fehlerquellen

Der Patient muss nüchtern zum Test erscheinen. Es ist auf eine exakte D-Xylosedosierung zu achten. Eine verminderte Xylose-Aussscheidung wird bei der Einnahme von Acetylsalicylsäure, Colchicin, Digoxin, Digitoxin, Neomycin und Opium-Alkaloiden gefunden. Als Störgrößen sind unvollständiges Urinsammeln, unvollständige Blasenentleerung am Ende der Sammelperiode, unzureichende Diurese bei Exsiccose, Erbrechen und Nahrungsaufnahme während der Testdurchführung zu beachten.

Literatur

Thomas, L.: Labor und Diagnose. TH-Books Verlagsgesellschaft. 8. Auflage 2012: 767 – 770
Gressner, A. und Arndt, T.: Lexikon der medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer, 2. Auflage 2013: 1430 - 1431

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